Zurück zu den Urvätern aller Rocker
Konzert mit den Houserockin' Nightcats im Kloster Herbrechtingen - Heidenheimer Zeitung - 07.06.2006
Auf den sprichwörtlichen Samtpfoten kamen sie gewiss nicht daher, die ,,Houserockin' Nightcats". Was am Freitagabend im Kloster Herbrechtingen abging, war ein Ausflug zu den Urvätern aller Rocker und Roller. Lange vor Led Zeppelin & Co. hatten Jimmy Reed und Willy Dixon die intensive rhythmische Spannung vorgestellt, die der populären Musik des zwanzigsten Jahrhundert ihr Gepräge gab.
Ein Genuss war es, wenn Peter Pelzner seine Gibson mit erdbebenartigen Riffs und Blueslicks quälte und Markus Grundmann seine Mundharmonika die jubelnden, jaulenden und klagenden Klanggebilde aufbauen ließ, die einen immer wieder mitrissen. Er war ganz eindeutig die treibende Kraft der ,,Nachtkatzen" und begeisterte immer wieder mit markantem, saftigen Blues, aber auch mit granitenen Rockabilly-Figuren. Wenn dazu noch Johnny Pickel seine Chicago-Figuren expressiv in den Bass drangsalierte und Horst Faigle die Drums mit ordentlichen Slaps und Off-beats krachen ließ, dann konnte der Rotwein in den Gläsern schon mal Wellen schlagen.
Es war einfach erfrischend, wie die Jungs Urgesteine wie zum Beispiel den Blues-Patriarchen T-Bone Walker aufleben ließen. Der ,,Midnight Blues", in dem Peter Pelzner auch mit seinen stimmlichen Qualitäten überzeugte, hätten dem Blues-Altvater gewiss gefallen. Da röhrte und krachte es mit dem richtigen Funky-Rhythmus und einer enormen Explosivität, wie man es von den Rockern der Siebziger kennt. Die ,,Nightcats" hatten es aber auf die Wegbereiter dieser rebellisch-sympathischen Musik abgesehen.
Die Dampfhammer-Charakteristik ging in die Füße und machte Spaß, ja kam immerzu lustvoll rüber. Fast unauffällig, aber dennoch bestimmend wetterte Horst Faigle mit seinen Drums und stampfte die markige Rhythmik bei ,,Big Boss Man" von Jimmy Reed in den Raum. Das ganze Konzert bot jedem der vier ,,Katzen" genügend Gelegenheit, seine individuellen Fähigkeiten zeigen zu können.
Stimmlich immer auf Hochtouren zeigte sich Peter Pelzner, etwa bei T-Bone Walkers anzüglich-vergnüglichen ,,What's the reason you keep on teasin'?" . Die urige Kraft des Rock, die aus allen Nummern klang, zeigte aber auch, dass Rolling Stones, Doors oder Johnny Winter nicht die Initiatoren der Bewegung waren, sonder eher munter drauflos coverten, was ihre Verdienste keineswegs herabsetzen soll. Herrliche Stücke aus ,,Down South" wie ,,Shake your hips" von Slim Harper mit einem fünfminütigen Gibson-Dauerfeuer wurden erwartungsgemäß zu ,,Mitklatschern", und auch der rasant arbeitende Johnny Pickel konnte nicht nur seinem cremefarbenen Bass urige Glissandi entlocken, auch stimmlich bot er einiges, leider nicht immer verständlich.
Doch Willy Dixon hätte es milde gesehen. Der Bass lieferte hier echten Chicago-Blues mit unglaublicher Intensität und Frische, ganz im Sinne dieser von Weißen adaptierten, aber auch von Farbigen gegenseitig befruchteten Stilrichtung, die ja den Bass als Tuba-Ersatz nahm und so eine unverwechselbare Klangfarbe entwickelte. Ein fast dreistündiges Konzert von ungebundener, wuchtiger Energie und Farbigkeit hatten viele Rock-und Blues-Anhänger schon lange erwartet. Ein Dank an die ,,Nightcats" und an die ,,Kultur-im-Kloster" -Verantwortlichen für diesen umwerfenden nächtlichen Muntermacher.
Hans-Peter Leitenberger
Bildunterschrift: Einen Ausflug zu den Urvätern aller Rocker unternahmen die Houserockin' Nightcats im Kloster Herbrechtingen, von links Markus Grundmann, Horst Faigle und Peter Pelzner. Foto: vj