Nachtkatzen rocken das Kloster
The houserockin' Nightcats lockten mit Fünfzigerjahre-Blues und Rock 'n' Roll Jung und Alt ins Herbrechtinger Kloster - Heidenheimer Neue Presse - 06.06.2006
It's time to play the blues hieß es vergangenen Samstag im Kloster Herbrechtingen. Echt und unverfälscht präsentierten The houserockin' Nightcats Blues-Hits der 50er Jahre und begeisterten das Publikum mit ihrem Ausflug zu den Wurzeln des Rock 'n' Roll und Rockabilly.
Mit viel Applaus holten die gespannten Zuhörer die Nachtkatzen auf die Bühne. Vielen war das Benefizkonzert für die Tsunami-Opfer 2005 noch gut in Erinnerung. Enttäuscht wurde das Publikum auch diesmal nicht im Geringsten. Das Quartett um den Sänger Peter Pelzner spielte Songs von Willi Dixon oder T-Bone Walker und auch Eigenkompositionen des Kontrabassisten Johnny Pickel. Die Zuhörer waren hingerissen von dem Quartett: Luft-Gitarre spielen, Mitsingen und euphorisches Klatschen begleiteten jeden Song.
Nach einem rockigen Einstieg, bei dem die Nightcats den auf den letzten (Steh-)Platz besetzten Karlsaal auf Betriebstemperatur brachten, schlug die Band auch leisere Töne an. Johnny zeigte mit seinem Lied You're so fine, dass er sowohl mit flinken Fingern am Kontrabass als auch mit seiner Stimme das Publikum in den Bann ziehen kann.
Marcus Grundmann kam an der Mundharmonika richtig ins Schwitzen, seinen leidenschaftlichen Einsatz während der Instrumental-Parts dankten ihm die Zuhörer mit viel Applaus und begeisterten Ausrufen. Doch nicht nur mit Songs der 50er brachten die Vier den Saal zum Kochen, auch die 90er Jahre würdigten sie mit einem musikalischen Meilenstein.
Wir spielen heute auch mal was Neueres, weil die Leute sagen, dass wir nur was von Toten spielen, erklärte Pelzner dem Publikum. Daher brachte die Band einen Song von Iggy Pop aus den 90er Jahren dar. Dank Pelzners unverwechselbarer Stimme war dieser Ausflug von Erfolg gekrönt.
Hautnahes Erleben der Musiker war bei diesem Konzert garantiert. Durch die Enge des Raumes konnte jede Bewegung auf der Bühne mitverfolgt werden. Wie sehr das Quartett sein musikalisches Handwerk beherrscht, wurde besonders deutlich als Pelzner seine rote E-Gitarre auf der Bühne für den nächsten Songs stimmen musste. Sein Band-Kollege Johnny dokumentierte diesen amüsanten Zwischenfall damit, dass dank der vier Seiten am Kontrabass Stimmen während des Auftritts bei ihm nicht nötig sei.
Nicht nur musikalisch waren die Jungs eine Klasse für sich, auch optisch waren sie eine Augenweide. Sänger und Gitarrist Pelzner beeindruckte mit Fünfzigerjahre-Styling, von der blonden Haartolle bis hin zu den spitzen schwarz-weißen Schuhen nebst roter E-Gitarre. Johnny und Schlagzeuger Horst Faigle vervollkommneten das Bild mit Hawaii-Hemden. Das Vorurteil, Jugendliche könnten mit der Musik ihrer Väter nichts mehr anfangen, konnte bei diesem Konzert ausgeräumt werden: Es waren nicht nur junge Leute erschienen, ein junger Mann kam sogar stilecht mit Haartolle und Krempel-Jeans.
Der Saal mit Holzbalken und niedriger Decke schien für dieses Konzert wie geschaffen. Seine kleine Bühne war genau der richtige Rahmen für die Nightcats: vertraut, aber kein bisschen heimelig. Viktoria Jerke
Bildunterschrift: Tolle Stimmung verbreiteten die Houserockin' nightcats (von links) Marcus Grundmann, Horst Faigle (hinten am Schlagzeug), Johnny Pickel und Peter Pelzner im stilechtem Outfit und mit unverfälschtem Sound im Kloster Herbrechtingen. Foto: Viktoria Jerke