Nachtkatzen kommen voll Schwung in Fahrt

WANGEN - Ihr Name hat gehalten, was er verspricht: Die vier Musiker von „The Houserockinī Nightcats“ haben am Freitagabend im Jazz Point den ganzen Blues aufgeboten und ein über zweistündiges Konzert der Extra-Klasse hingelegt. Stilecht ließen sie West Coast Jump und Chicago Blues aufleben.

Gitarrist und Sänger Peter Pelzner, Marcus Grundmann als höchst versierter Blues-Harp-Spieler, Bassist Johnny Pickel und Horst Faigle am Schlagzeug leben nicht nur in dieser musikalischen Stilrichtung - sie verkörpern sie in Reinkultur. Aus Nürnberg und Heidenheim waren sie für ihr Wangener Gastspiel angereist und zeigten sich begeistert vom Ambiente im Schwarzen Hasen. Auch wenn der Saal besucherzahlenmäßig beileibe nicht aus allen Nähten platzte, letztlich gaben die pulsierende, nach vorwärts treibende Spielfreude und die unverkrampfte Professionalität den Kick ab.

Eintauchen in „Unernstes“

Willie Dixon, der die Entwicklung des Chicago-Blues entscheidend beeinflusst hat, Jimmy Reed als erfolgsreichster Blues-Musiker zu seiner Zeit und T-Bone Walker, der wohl prominenteste West Coast Blues-Gitarrist standen mit Songs wie „Your nice“, „High and lonesome“, „Midnight Blues“ oder so aberwitzigen Kreationen wie „Donīt mess with the messer“ auf dem Programm. „Die Songs von Dixon kennt wirklich jeder Blues-Fan “, raunte Pickel von seinem Kontrabass aus ins Publikum, „aber dieser („saublöde“) Titel ist völlig unbekannt.“ Und Grundmann legte mit einem ganzen Koffer voller verschiedener Mundharmonika-Modelle los, die er je nach Bedarf und in schnellen Wechseln dort heraus zog. So klein wie dieses mittels Luftkanälen und Metallzungen funktionierende Kästchen auch ist, seine Klangfülle nimmt den Platz mindestens eines ausgewachsenen Blasinstruments ein. Wenn das reicht!
Dazu Pelzners markante Gibson-Gitarre, die das Tempo vorgab und klar machte, dass es hier um das Eintauchen in „unernste“ Regionen, sprich vom Jump und Funk geprägten Blues der 40er und besonders 50er Jahre geht. Er ist kopfmäßig überhaupt nicht zu fassen, sondern getragen von einem rhythmisch-elektrisierenden Fluss, dem ein beschleunigter Honky-Tonk-Takt zu Grunde liegt.

Bestes Zusammenspiel der Vier

The Houserockinī Nightcats spielen seit 2005 in dieser Besetzung. Zueinander gekommen sind sie über die 1990 von Grundmann gegründete Band „Blue Breeze“. Ihre musikalischen Wurzeln liegen vornehmlich im Jazz, aber auch wie im Falle von Drummer Faigle im Bereich der E-Musik. In der jetzigen Formation scheinen sie den Stil gefunden zu haben, der ihre Vorlieben hundertprozentig zum Ausdruck bringt. Pelzner mit teils bedächtigen, aber äußerst experimentellen Gitarrensoli, die in explosiven Gigs aufgehen und zudem wunderbare Dialoge mit Grundmanns furios geblasener Blues-Harp führen. Zwischendrin Pickels salopper Kommentar zum „Telefon-Blues“ mit einem „Wenn man am Telefon sitzt und auf einen Anruf wartet - so einfach ist das!“ und dazu sein gezupfter Bass, der vor Frische und Leichtigkeit nur so sprüht. Auch wenn sich die Songs in ihrem Rhythmus alle irgendwie ähnlich sind, die meisten Texte ein „My Baby“ oder „Rock me“ enthalten, sind sie unvergleichlich schön in ihrer scheinbaren Endlosigkeit und erinnern an die Urväter des Rock wie er nach ihnen von den Rolling Stones oder The Doors zelebriert wurde. Die Atmosphäre eines „Easy-Feelings“, aber mit entsprechendem Unterbau, haben die Schwarzen Hasen-Besucher mit einigem Applaus, Mittanzen und mit Mitklatschen gedankt.

Bericht aus der Schwäbischen Zeitung von Babette Caesar vom 29.10.2007 vom Konzert im Jazz Point Wangen 26.10.2007 http://www.szon.de/lokales/wangen/wangen/200710290166.html?SZONSID=b7bc36f4c3bc3f84f750833ccc9edb6f