Nachtkatzen im Hühnerstall
Explosiver Blues von den «Houserockin´ Nightcats» im Naturtheater-Café
Einem Internet-Lexikon zufolge handelt es sich bei der Nachtkatze um eine (logisch!) nachtaktive Art, deren Männchen gerne mal Hühnerställe überfallen. Nun, das passt schon, denn dieHouserockin Nightcats gebärdeten sich am Freitagabend auch im Café des Naturtheaters alles andere als zahm. Vielmehr zeigten sie sich als hochexplosive Blues- und Boogieband mit gefährlichen Krallen. Im Gegensatz zu Hühnern freilich war das Publikum äußerst angetan von diesem Überfall.
Und klang es nicht beinahe wie ein Fauchen, wenn Schlagzeuger Horst Faigle gepresst die Songs einzählte? War es nicht Schnurren, was Johnny Pickel aus den Saiten seines Kontrabasses holte? Und sind nicht Marcus Grundmann und Peter Pelzner zwei große Kater, die sich mit der ganzen Bandbreite zwischen Schmeicheln und Überrumpeln ihr Publikum gefügig machten?
Lässt man die Zoologie für eine Weile beiseite, dann war da am Freitag im randvollen Theatercafe eine ungemein frische Band zu sehen, die ihre Wurzeln im Heidenheimer Blues-Trupp Blue Breeze hat und sich nach dessen Ende mit dem studierten Schlagwerker Faigle zusammentat.
Mit einem ritualartigen Schrei stürzte sich das Quartett ins Programm, ein lautes, enorm treibendes Stück zeichnete den Weg vor weniger Schmuseblues, mehr Schweiß. Nachtaktiv, wir erinnern uns.
Peter Pelzner, Gitarrist und Sänger, ist bei den Houserockin Nightcats der unbestrittene Blickfang. Die klassische Gibson Gitarre lässt der Mann mit der Tolle mal heiser flüstern, mal feuert er ein Stakkato in den Saal, um sich dann in einem Solo aufzugeben, dass donnernden Szenenapplaus hervorruft.
Auch Marcus Grundmann, gebürtiger Herbrechtinger und damit schwäbischer Gegenpol zum bayerischen Dreiviertel der Nightcats,beherrscht die Kunst, sein Instrument sprechen zu lassen. Seine Duelle mit Pelzner gehörten zu den Höhepunkten des Abends.
Auf der anderen Seite der Bühne stand Johnny Pickel hinter seinem weißen Bass. Äußerlich ganz ruhend und scheinbar kaum aus der Ruhe zu bringen, offenbart er seineLeidenschaft in der enormen Dynamik seines Spiels, das er variantenreich gestaltet, ohne jemals den Groove zu vergessen. Die perfekte Hilfe erhält er dabei vonSchlagzeuger Horst Faigle, der seine Trommeln mal sachte mit dem Besen streichelte, um sie dann rüde zu verhauen. Dabei gab er oftmals ein bezwingendes Tempo vor, das eine weniger versierte Band schwer ins Schleudern gebracht hätte.
Wie gut der Vierer eingespielt ist, zeigte sich auch in der Leichtigkeit, mit der immer wieder komplexe Brüche in den Rhythmus eingeflochten wurden.
Dem begeisterten Heidenheimer Publikum präsentierten die licht scheuen Katzen selten gehörte Stücke von Band-Favoriten wie Willie Dixon oder T-Bone Walker, aber auch Blues-Nummern aus eigener Feder machten sich prächtig im Programm.
Eine Band mit solcher Energie hat Seltenheitswert, und hier schließt sich der Kreis zu den in Chile beheimateten Namensgebern. Die Nachtkatzen sind nämlich vom Aussterben bedroht, ein Schicksal, das ihren deutschen Vettern angesichts dieser Lebendigkeit wohl erspart bleiben wird.
Jens Eber, Heidenheimer Sonntagszeitung
von Jens Eber, Heidenheimer Sonntagszeitung - 25.02.2007